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 Prachtkäfer Dicerca alni

Der etwa 2 cm große Prachtkäfer Dicerca alni macht seine mehrjährige Larvalentwicklung in sonnigem Totholz von Erlen (Alnus), Linden (Tilia) und Birken (Betula) durch. Wegen Mangel an Totholz in der Kulturlandschaft ist die Art heute sehr selten geworden.

Prachtkäfer der Gattung Dicerca

(Coleoptera: Buprestidae)

Die Gattung Dicerca ist in der nördlichen Hemisphäre verbreitet. Aus Nordamerika sind 27 Arten bekannt, aus Europa und Asien insgesamt 16 Arten (Nelson 1975, Kubán 2006). In Mitteleuropa, nachdem Dicerca herbsti hier offenbar ausgestorben ist, kommen heute noch fünf Arten vor, im westlichen Teil Europas (ohne den Kaukasus) folgende sieben:

Aussterbende Urwaldrelikte

Die meisten Arten der Gattung Dicerca sind selten, viele müssen sogar als Urwaldrelikte betrachtet werden, da ihre Larvalentwicklung in mehr oder weniger starkem, sonnigem oder höchstens halbschattigem Totholz stattfindet und mehrere Jahre beansprucht. Das ergibt in der Summe Bedingungen, die in der heutigen Kulturlandschaft Mitteleuropas und darüber hinaus nur noch selten gegeben sind. Kommen noch spezielle Ansprüche an bestimmte Baumarten hinzu, haben wir es oft mit den größten Raritäten zu tun.


 Buprestidae: Dicerca herbsti

Urwaldrelikt in Tanne

Dicerca herbsti ist in Mitteleuropa so frühzeitig ausgestorben, dass ihr einstiges Vorkommen hier sogar angezweifelt wurde. Dieser rund 15 mm große Prachtkäfer lebt aber ausschließlich in Tanne (Abies), braucht stärkeres sonniges bis halbschattiges Totholz und ist wärmeliebend. Die Tanne hat im Verlauf der letzten 100-200 Jahre durch Kahlschlagwirtschaft, Fichtenanbau und Luftschadstoffe große Teile ihres einstigen Areals in Mitteleuropa eingebüßt, aus wärmeren Lagen ist sie hier fast völlig verschwunden, von halbwegs sonnigem Tannentotholz, noch dazu mit mehrjähriger Verweilzeit, ganz zu schweigen.

Dass der Prachtkäfer heute nur aus Griechenland bekannt ist, sagt nichts über seine frühere Verbreitung aus. Bis seine Lebensweise entdeckt wurde, war die Tanne aus großen Teilen ihres früheren Areals verschwunden – ohne dass der Prachtkäfer daran speziell gesucht worden wäre. Nach der Entdeckung und Benennung des Käfers hat es rund hundert Jahre gedauert, bis auch seine Brutpflanze bekannt geworden ist. Während dieser Zeit konnten von Dicerca herbsti vielleicht ein halbes oder ein Dutzend Exemplare gesammelt werden. Dass zwei oder drei Stück aus Mitteleuropa dabei sind, ist in Relation ohnehin viel.

Wo Tannen heute überhaupt noch wachsen, werden sie in aller Regel bis zu 500 Jahre früher gefällt, als sie von Natur aus sterben würden. Heute muss Dicerca herbsti in Mitteleuropa als ausgestorben betrachtet werden. Die einzigen bekannten Belege aus diesem Raum dürften vor Mitte des 19. Jahrhunderts gefangen worden sein.

Urwaldrelikt in Pappel und Weide

In Deutschland und Tschechien gilt Dicerca aenea als ausgestorben, in Österreich kommt sie nur noch im Nationalpark Donau-Auen vor. Diese Art entwickelt sich in starken Totholzdimensionen von Pappeln und Weiden und ist nicht zuletzt wegen ihrer Heliophilie auf offene Bereiche totholzreicher Auwälder angewiesen.

Einer der seltensten Prachtkäfer

Obwohl sie von Europa bis nach Fernost verbreitet ist, zählt Dicerca amphibia zu den seltensten Prachtkäfern der Welt. Das Areal erstreckt sich in ost-westlicher Richtung über viele tausend Kilometer und beachtlich ist auch die Nord-Süd-Verbreitung, die in Europa mindestens 700 Kilometer umfasst. Die westlichsten aktuellen Funde liegen aus der Ukraine vor, alte Meldungen gibt es unter anderem aus Weißrussland, Rumänien und Bosnien-Herzegowina (vgl. Kubán 2006). Über die Habitatansprüche der Larve ist offenbar nichts bekannt. Auch bei dieser Art handelt es sich mit größter Wahrscheinlichkeit um ein Urwaldrelikt mit besonderen Ansprüchen an den Lebensraum.

Nur wenige Arten leben auch in schwachem Totholz

Einigermaßen verbreitet sind nur wenige Dicerca-Arten, die sich auch schon mit Holzstärken um die 10 cm oder sogar darunter begnügen und ein breiteres Brutpflanzenspektrum haben. Beispiele sind die an Erlen (Alnus), Linden (Tilia) und Birken (Betula) lebende Dicerca alni oder Dicerca berolinensis mit Larvalentwicklung in Hainbuchen (Carpinus), Rotbuchen (Fagus), Hopfenbuchen (Ostrya) und in Obstbäumen (Familie Rosaceae, z.B. die Genera Pyrus und Crataegus).

Auch diese Prachtkäfer zählen aber zu jenen Käferarten, denen man nur selten begegnet, und es hängt nur am Rande mit ihrem unauffälligen Verhalten zusammen. Zumindest von den europäischen Dicerca-Arten kann sich keine in bodennahem Totholz kleiner Dimensionen entwickeln; etwa mit Stöcken auf Kahlschlägen können sie nichts anfangen, im Unterschied zu anderen, meist häufigen Käferarten (vgl. Zábranský 1991).

Literatur

Kubán, V. (2006): Tribe Dicercini Gistel, 1848. In: Löbl, I., Smetana, A. (Hrsg.): Catalogue of Palaearctic Coleoptera 3. Apollo Books – Stenstrup. S. 346–349.

Nelson, G. H. (1975) : A revision of the genus Dicerca in North America (Coleoptera: Buprestidae). Entomologische Arbeiten des Museums Frey 26. Tutzing b. München. S. 87–180.

Zábranský, P. (1991): Beiträge zur Faunistik österreichischer Käfer mit Bemerkungen zur Ökologie und Biologie, 2. Teil - Familie Buprestidae (Coleoptera). Koleopterologische Rundschau 61. ISSN 0075-6547. Wien. 139-156.

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